Kritisieren – aber richtig !

Kommunikationstraining, Kommunikationscoaching

Einfache Feedbackregeln sorgen dafür, dass das Feedback auch ankommt

Letzens war ich Teilnehmer einer Besprechung.

Einer der Anwesenden hatte eine Liste von Themen vorbereitet, die er gerne ansprechen wollte, weil sie ihm auf der "Seele lagen".

Die Art und Weise, wie er seine Kritiken anbrachte waren für alle Beteiligten ein Frontalangriff, beleidigend, niederschmetternd, geringschätzend.

In diesem Beitrag möchte ich Impulse dazu geben, wie Sie Kritik und Feedback anbringen können, dabei aber die Wertschätzung gegenüber anderen erhalten und wie Ihre Kritik gleichzeitig konstruktiv wirkt. Konstruktive Kritik ist dann vorhanden, wenn sie hilft ein Problem zu lösen anstatt es zu verstärken.

In der angesprochenen Besprechung kritisierte der Kritiker sinngemäß folgendermaßen:

Ich habe mir einige Wünsche aufgeschrieben, die ich gerne ansprechen möchte.

1. In einer unserer vorherigen Meetings hat A jenes gemacht. Das war totaler Unsinn, das braucht kein Mensch.

2. Ständig passiert hier jenes und das kann nicht sein. Ich habe von ganz vielen Leuten gehört, dass sie das doof finden und ich gebe hier nur wieder, was sie empfinden, da sie leider nicht den Arsch in der Hose haben, das selbst zu sagen.

3. Als einer der anderen Teilnehmer sagte, er empfinde das anders, antortete der Kritiker: Deine Empfindung ist aber falsch.

Ich spürte, wie ich mich mehr und mehr unwohl fühlte und ich hatte das Gefühl, dass alle anderen im Raum die Situation ebenfalls als sehr unangenehm empfanden.

Das geht eindeutig besser.

Wenn Sie folgende Regeln für konstruktive Kritik beachten, sinkt die Stimmung nicht so ab, wie in diesem Fall geschehen.

Kritik sollten immer konkret / sachlich / beobachtend und unmittelbar stattfinden.

Worte wie "immer"; "ständig" und "nie" haben in einem guten Fedback keinen Platz.

Statt "ständig passiert hier jenes" ist es besser zu sagen:

"Im letzten Meeting wurde hier A, B und C festgelegt (gemacht getan....).

Verallgemeinerungen wie "das braucht kein Mensch" haben im guten Feedback ebenfalls keinen Platz.

Besser ist es davon zu sprechen, wie man es selbst einschätzt (bezogen auf den Nutzen für sich selbst) oder die persönliche Empfindung, die damit verbunden ist.

Das könnte also z.B. so aussehen:

"Mir selbst hat das keinen Nutzen gebracht" oder "Ich persönlich glaube, dass wir mit dieser Entscheidung in eine für uns falsche Richtung laufen und möchte das gerne skizzieren".

Eine wertende Verallgemeinerung heraus zu hauen und dann einfach iim Raum stehen zu lassen stinkt wie ein Hundehaufen.

Statt "das braucht doch kein Mensch" oder "das ist doch alles sinnlos" und dieses auch noch einfach so im Raum stehen zu lassen sollte der Kritisierende einen konkreten Vorschlag machen oder zumindest einen Wunsch äußern, also z.B. so:

"Mir selbst hat das keinen Nutzen gebracht" oder "Ich persönlich glaube, dass wir mit dieser Entscheidung in eine für uns falsche Richtung laufen und möchte das gerne skizzieren.

Ich denke, wir kommen in unserer Angelegenheit weiter wenn wir stattdessen A, B und C entscheiden."

oder

"Mir selbst hat das nicht gefallen. Stattdessen wünsche ich mir, dass wir künftig A und B machen."

Andere (anonyme Personen) für seine eigene Meinung vorzuschieben gehört nicht in eine gute Feedbackkultur.

In der Psychologie ist das dahinterstehende Muster als Dramadreieck bekannt: Verfolger >> Retter >> Opfer.

Das Muster des Dramadreiecks lässt sich an dem folgenden Beispiel gut erkennen:

"Hallo Herr Nachbar, ich wollte Ihnen nur sagen, dass Ihre Musik sehr laut aufgedreht ist. Das stört alle hier im Haus. Also mich würde es nicht so sehr stören, aber die Nachbarn reden schon darüber. Ich denken, wenn Sie die Musik leiser drehen, können Sie noch viele Freunde hier gewinnen..."

Kennen Sie das ? Wie empfinden Sie so eine Situation ?

Mir selbst stellen sich dabei alle Nackenhaare auf: Da bringt jemand eine Kritik an, schiebt andere vor (die eigentliche Eigentümer der Kritik seien) und zeigt sich dann noch als Retter des Kritisierten und natürlich der gesamten Menschheit....

Um es mit einem sehr undifferenzierten Feedback zu sagen: Miese Tour hoch drei !

So geht es besser: Stört Sie die laute Musik des Nachbarn, dann gehen Sie zu ihm und sagen Sie ihm, dass Ihnen die Musik zu laut ist. Äußern Sie den Wunsch (die Bitte) die Musik leiser zu stellen. Idealerweise (wenn auch sehr theoretisch) nennen Sie die Dezibelzahl dazu, die Sie sich wünschen. Das könnte z.B. so aussehen.

"Hallo Herr Nachbar. Für mein Empfinden ist Ihre Musik zu laut und ich fühle mich gestört. Bitte tun SIe mir den Gefallen und hören Sie Ihre Musik leiser. Etwa die Hälfte der Lautstärke wäre für mich ok. Vielen Dank".

Kritisieren Sie nur Verhalten - nicht den Menschen

Keini Mensch ist schlecht (abgesehen von pathologisch gestörten Monstern vielleicht). Hinter allem was ein ein Mensch tut steht zunächst einmal seine gute Absicht.

Eine Aussage wie "Du bist ja total unfähig" ist ein Frontalangriff auf einen Menschen und sachlich völlig falsch. Niemand ist "total unfähig", denn zu irgend etwas ist jeder Mensch fähig - und sei es noch so wenig.

Zudem ist es vermessen, die Gesamtheit eines Menschen zu beurteilen, denn die Komplexität eines anderen kann ein Einzelner gar nicht überblicken.

Das kann also weg !

Anstatt "Du lässt immer deine Socken rumliegen und bist unfähig Ordnung zu halten" sollten Sie nur genau das Verhalten kritisieren, dass Sie stört. Verbinden Sie es immer mit einem konstruktiven Vorschlag einer Alternative. Denken Sie an das, was obem steht: Unmittelbar und konstriktiv.

Im Sockenklassiker also z.B.

"Heute Morgen lagen Deine Socken linksherum neben dem Wäschekorb. Mich stört das. Ich bitte Dich, Deine Socken künftig rechtsherum gedreht in den Wäschekorb zu legen. Ist das OK für Dich ? Danke."

Kritisieren Sie bitte besser

Im Bereich "Feedback & Kritik" gibt es so vieles, was man falsch machen kann und das unbeabsichtigt wahre Katastrophen zwischen Menschen auslösen kann.

Die Beachtung selbst kleiner Regeln und die ehrliche Werttschätzung und Konstruktivität in der Sache helfen schon mal, das Schlimmste abzuwenden.

Wenn Sie künftig bei Ihren Kritiken die hier beschrieben Tipps beachten, kann es nur besser werden, keinesfalls schaden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei.

 

 

 

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