Mitarbeiter motivieren – so gelingt die Mitarbeitermotivation

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Immer wieder werde ich von meinen Kunden gefragt, wie sie es denn schaffen können, ihre Mitarbeiter zu motivieren. Viele sind dann überrascht, wenn ich antworte, dass es da meines Wissens keinen Weg dazu gibt und, dass dies auch gar nicht nötig ist, weil die Mitarbeiter bereits motiviert sind.

Die Kunst, die der Vorgesetzte beherrschen muss besteht darin, die Welle der Motivation zu erkennen und mit dem Mitarbeiter auf dieser Motivationswelle zu reiten.

Um das Thema Motive besser zu verstehen, schlage ich Ihnen vor, sich mit der Liste des amerikanischen Psychologen Stephen Reiss zu beschäftigen. Die Lehre des sogenannten „Reiss-Profils®“ basiert auf der Annahme, dass jeder Mensch in unterschiedlicher Ausprägung von 16 Lebensmotiven gelenkt wird.

Sie Stärke und die Kombination der Ausprägungen sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Dargestellt wird die Profilierung auf einer Skala von „-2 bis +2“ für jedes Motiv.

Die Lebensmotive nach Steven Reiss sind

  1. Macht
  2. Unabhängigkeit
  3. Neugier
  4. Anerkennung
  5. Ordnung
  6. Sammeln / Sparen
  7. Ehre
  8. Idealismus
  9. Beziehungen
  10. Familie
  11. Status
  12. Rache / Wettkampf
  13. Eros (Schönheit)
  14. Essen
  15. Körperliche Aktivität
  16. Emotionale Ruhe

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn ich die einzelnen Typen hier nun intensiv beschreiben würde und ich erlaube mir daher, auf die einschlägige Literatur zum dem Thema zu verweisen.

Einige Motivationsmuster stelle ich hier aber exemplarisch einmal vor.

Motiv Unabhängigkeit

Hohe Ausprägung:

Das Lebensmotiv der Unabhängigkeit umfasst das Streben nach Freiheit und Autonomie. Menschen mit einem hohen Unabhängigkeitsmotiv verlassen sich nur ungern auf andere. Sie mögen es weniger als andere, Hilfe oder Geschenke anzunehmen, um nicht in emotionale Schuld zu geraten. Sie versuchen autonom zu leben. Das Bedürfnis nach persönlicher Freiheit ist stark ausgeprägt und die eigene Individualität wird gepflegt.

Niedrige Ausprägung:

Ist das Unabhängigkeitsmotiv eines Menschen nur schwach ausgeprägt, agiert er stark auf der Basis von Vertrauen und strebt wechselseitige Beziehungen mit anderen an. Er ist stark konsensorientiert. Das „auf sich selbst gestellt sein“ wird als unangenehm empfunden, stattdessen liegt meist ein hoher Gemeinschaftssinn vor. Jemand mit einem niedrigen Unabhängigkeitsbedürfnis teilt auch private und persönliche Erfahrungen gerne mit anderen und wird durch Team- und Gruppenerlebnisse motiviert.

Motiv Anerkennung

Hohe Ausprägung:

Anerkennung ist das Maß an persönlicher Unsicherheit. Menschen mit hohem Anerkennungsbedürfnis streben nach hohem Selbstwert. Sie haben gewöhnlich wenig Selbstvertrauen. Das Selbstbild basiert auf dem Feedback anderer. Weil sie dazu neigen, Kritik persönlich zu nehmen, vermeiden sie Situationen, in denen sie schlecht bewertet werden könnten und streben nach Perfektion. Sie fühlen sich unsicher und tendieren dazu, in sozialen Situationen sehr aufgeregt zu sein. Personen mit einem stark ausgeprägten Bedürfnis nach Anerkennung fühlen sich gut, wenn andere hinter ihnen stehen und sie bestätigen.

Niedrige Ausprägung:

Menschen mit niedrigem Anerkennungsmotiv sind sehr selbstsicher uns sehen ihre Fehler häufig als Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen. Es fällt ihnen leichter, mit Kritik gut umzugehen und diese zu akzeptieren. Rückschläge werden schnell überwunden und das Risiko des „Falschmachens“ viel häufiger eingegangen.Motiv Sammeln / Sparen

Hohe Ausprägung:

Dieses Lebensmotiv bezeichnet das Streben, Dinge zu horten und zu bewahren. Menschen mit einem hohen Bedürfnis nach Sammeln und Sparen können es als unangenehm empfinden, Dinge wegzuschmeißen, selbst wenn sie für den Moment keinen Nutzen bringen. Sparsamkeit und Sammeln wird als Selbstzweck ausgelebt. Unnötige Ausgaben werden vermieden, bereits angeschaffte Objekte werden gut gepflegt, um eine lange Betriebsdauer sicherzustellen. Häufig besteht ein innerer Wunsch, bestimmte Dinge oder Sammlungen zu komplettieren und vollständig zu haben.

Niedrige Ausprägung:

Großzügigkeit und Freizügigkeit bilden den anderen Pol des Kontinuums dieses Lebensmotivs. Menschen mit einem geringen Wunsch nach Sammeln und Sparen werfen Dinge eher weg und haben eine geringe Hemmschwelle für Ausgaben. Meist kümmern sie sich weniger um ihren Besitz und neigen zu Verschwendung.

Motiv Eros / Schönheit

Hohe Ausprägung:

Eros meint das Streben nach Sexualität, Lust, Schönheit oder Ästhetik. Es umfasst romantische Liebe und Sex genauso wie den Wunsch nach sinnlichem Erleben, z. B. in Kunst und Musik. Menschen mit einem hoch ausgeprägten Erosmotiv haben intensive sexuelle Fantasien und verbringen Zeit damit, sich für das andere Geschlecht attraktiv zu machen. Sie können dazu neigen, andere aufgrund ihrer physischen Attraktivität zu bewerten.

Niedrige Ausprägung:

Menschen mit gering ausgeprägtem Erosmotiv hingegen denken weniger an Sex und sehnen sich seltener danach. Ihr Lebensstil ist eher asketisch. Das Design von Produkten oder Kunst und „schöne“ Dinge sind ihnen eher weniger wichtig.

Es existiert in Deutschland auch eine so genannte „Business-Version" des Reiss Profiles, bei der die Fragen zur Sexualität, die das Erosmotiv definieren, durch Fragen zur Schönheit ersetzt werden. Diese sind jedoch testtheoretisch nicht validiert.

Motiv Emotionale Ruhe

Hohe Ausprägung:

Ruhe meint das Streben nach einem "angstfreien", emotional stabilen Leben. Menschen mit einem hoch ausgeprägten Ruhemotiv wünschen sich, Stresssituationen zu vermeiden. Sie sind vorausschauend und verhalten sich vorsichtig, Unbekanntes wird vermieden. Angst kann einen zentralen Platz in ihrem Leben einnehmen, denn in Veränderungen werden schneller die Risiken als die Chancen erkannt. Empfinden Menschen mit einem hohen Ruhemotiv körperliche Schmerzen, machen sie sich schnell Sorgen um ihren allgemeinen Gesundheitszustand.

Niedrige Ausprägung:

Umgekehrt haben Menschen mit einem geringen Ruhemotiv eine hohe Stresstoleranz. Sie sind „Entdecker“, die Abenteuer und Nervenkitzel suchen. Sich selbst sehen sie als mutig, robust und risikofreudig an. Angst oder Panik empfinden sie selten, auch der Umgang mit Schmerzen ist für sie relativ unproblematisch. Manche werden durch Stress motiviert, besondere Leistungen zu zeigen. Bei einer extrem geringen emotionalen Ruhe kann sich „Tollkühnheit“ auf der Suche nach persönlichen „Sensationen“ einstellen.

Motive ansprechen in der Mitarbeiterführung

Anhand der Liste der Motive können Sie erkennen, wie unterschiedlich Menschen ticken.

Jeder Mensch hat eine unterschiedliches Set an Motiven, die auch noch in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich stark sein können.

Es kann sein, dass bei einem Menschen als „Privatmann“ das Motiv „Sammeln / Sparen“ stärker zutage tritt, als wenn er z.B. in der Rolle des Geschäftsführers unterwegs ist. Womöglich ist dann das Motiv „Rache / Kampf“ gerade zu einem größeren Anteil für die zu treffende Entscheidung "auf Ihren Wunsch einzugehen" verantwortlich.

Wichtig ist, dass Sie überhaupt erkennen, welche Motivlage bei einem Mitarbeiter vorliegt.

Vielfach machen Führungskräfte hier den Fehler, dass sie von ihren eigenen Motiven auf die Motivation ihrer Mitarbeiter schließen.

Es ist z.B. völlig unsinnig, jemanden der ein stark ausgeprägtes Motiv "Beziehungen" hat und ein schwach ausgeprägtes Motiv "Rache / Kampf" als Verkäufer mit "Rennlisten" motivieren zu wollen.

Um einen Menschen mit dieser Kombination zu einem guten Verkäufer zu machen, müssen Sie ihm womöglich die Zugehörigkeit zur einer bestimmten Gruppe von Menschen ermöglichen; evtl. motiviert ihn die regelmäßige Zusammenkunft mit anderen Vertriebskollegen wesentlich mehr, als "Rennlisten".

Jemanden der ein stark ausgeprägtes Motiv "Rache / Kampf" und "Anerkennung" hat, werden Sie kaum mit "wir-wollen-doch-alle-zusammen-erreichen-Botschaften" zu bewegen.

Bedeutung von Motiven für die Mitarbeiterführung

Sie können Mitarbeiter nicht motivieren. Ihre Mitarbeiter sind bereits motiviert. Wenn Sie wollen, dass Ihre Mitarbeiter etwas bestimmtes erreichen, dann müssen Sie für jeden Mitarbeiter eine Ansprache entwickeln, die seinem Motivmix entspricht.

Hierzu müssen Sie sich mit den unterschiedlichen Motiven beschäftigen und Ihre eigenen Motive hintenan stellen.

Lernen Sie z.B. einfache Fragetechniken und aufrichtiges Zuhören um herauszufinden, worauf die Motivation Ihrer Mitarbeiter liegt.

Mit ein weinig Willen und Übung gelingt Ihnen das in kürzester Zeit.

Das haben Sie davon

Unterschiedliche Menschen tun dasselbe - nur aus einem anderen Motiv heraus. Wenn Sie effektiv und effizient führen wollen, gelingt Ihnen das umso besser, je mehr Sie die Motivlage eines Mitarbeiters verstehen und beachten.

Letzten Endes erreichen Sie mehr und das bei weniger "Stress".

Nutzen Sie unser "Komplettpaket Teamentwicklung"

In unserem "Komplettpaket Teamentwicklung" gehen wir u.a. auf die Motive von Mitarbeitern intensiv ein.

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Herzlichen Gruß

Robert Flachenäcker

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