Nie mehr sprachlos sein – Tipps für mehr Schlagfertigkeit im Berufsleben

Schlagfertigkeit kann man lernen.

Plötzlich mundtot.... Jeder kennt das wohl:

Man sitzt in einer Besprechung und plötzlich schlägt einen eine Verbalattacke eines Anwesenden mitten ins Gesicht.

Sprachlos und verstört wie das Kaninchen vor der Schlange sitzt man stumm mit einem trocknen Hals da und kriegt nichts oder nicht das Richtige raus.

Mit Hilfe von Schlagfertigkeit können Sie in einer solchen Situation punkten, in dem Sie die Aufmerksamkeit wieder auf sich selbst lenken und den Angreifer in seine Schranken verweisen.

Was ist Schlagfertigkeit ?

Schlagfertigkeit ist die Fähigkeit, auf eine so genannte Verbalattacke angemessen und schnell zu reagieren, um sich die Aufmerksamkeit der Anwesenden zurück zu holen.

Was ist eine Verbalattacke ?

Eine Verbalattacke ist eine an eine Person oder Gruppe gerichtete aggresive, destruktive Aussage, die nicht die Absicht hat, eine Sachinformation zu vermitteln.

Stattdessen ist eine Verbalattacke geeignet, um einen Angegriffenen zu verunsichern oder lächerlich zu machen oder beides. Die Verbalattacke findet sprachlich ober- oder unterhalb der Gürtellinie statt.

Was ist der Hintergrund einer Verbalattacke ?

Die Gründe für Verbalattacken sind unterschiedlichster Natur.

Grundsätzlich können wir zwei Arten von Verbalattacken unterscheiden:

  • Verbalattacken mit dem Ziel, freundlicher Spaßerzeugung
  • Verbalattacken mit dem Ziel, zu blamieren oder ein Machtspiel zu spielen

In diesem Beitrag geht es in der Hauptsache um die 2. Form, die in böser Absicht stattfindenden Verbalattacken.

Grundsätzlich sind die vorgestellten Abwehrtechniken auch geeignet, lustig und freundlich gemeinte Verbalattacken abzuwehren. Es bleibt hier schlicht die Frage, ob der Aufwand

sich lohnt.

Was ist die Absicht von Verbalattacken ?

Sprache ist ein sagenhaft mächtiges Werkzeug. Wer die Macht der Sprache beherrscht, verschafft sich in der Regel in sozialen Gruppen einen Statusvorteile.

Sprache ist der Erfolgsfaktor hinter politischen Erfolgen, hinter verkäuferischen Erfolgen, hinter Überzeugungserfolgen u.s.w.

Jemand der eine Verbalattacke absetzt, hat eine Absicht – bewusst oder unbewusst. Im folgenden erfahren Sie einige Gründe für Verbalattacken.

Das Machtspiel um die Position

In sozialen Gruppen geht es – entgegen landläufiger Meinung – oftmals nicht um den Austausch von Sachinformationen sondern um die Frage, wer der Gorilla ist, der auf dem Felsen thront. Kurzum um die Frage: Wer ist der Starke (in dieser Situation).

Während im Hühnerstall die Position der Henne über das Hacken entschieden wird, bedienen sich Menschen in sozialen Gruppen oftmals der Sprache, um die Hackordnung festzulegen. Wenn Sie die Verbalattacke mit der Absicht des Positionserhaltes einfach so passieren lassen, haben Sie einen passiven Beitrag dazu geleistet, dass ein anderer den Felsen erklimmt.

Jemand der sagt: „Das können Sie doch nicht ernst meinen, Maier !“ hat nicht den sachlichen Diskurs im Sinn sondern er will Maier in erster Linie in eine gegenüber ihm selbst niedrigere Position bringen.

Das gilt auch für die Aussage: „Man kann doch nicht Plastikflaschen in einem Atemzug mit ökologisch sinnvollem Handeln verwenden...“, wenn Sie selbst dies gerade gemacht haben.

„Doch kann man, das haben Sie gerade erlebt.“, könnte z.B. eine Reaktion sein, um auf diesen Verbalangriff zu reagieren.

Der Kampf um die Aufmerksamkeit

Manchmal geht es nur um die Frage, wer sich gerade in der Sonne der Aufmerksamkeit der Gruppe sonnen darf.

Die Motivation dazu muss nicht unbedingt aus machtpolitischen Erwägungen erfolgen. Sie kann auch einfach einer allgemeinen Lust nach Anerkennung entspringen oder einer Selbstunsicherheit des Angreifenden. Dieser sucht sich Sie als Projektionsfläche für die Aufmerksamkeit anderer aus, um von seiner eigenen Unsicherheit abzulenken.

Im Ergebnis ist es aber das Gleiche: Jemand lenkt auf Ihre Kosten seine Aufmerksamkeit auf sich.

Attacke aus Rache

Vor einiger Zeit hat sich jemand von Ihnen auf den Fuß getreten gefühlt. Nun ist Zahltag !

Unabhängig vom Sachgehalt Ihrer eigenen Aussagen, werden sie dazu genutzt, um Sie bloß zu stellen und einen Rachefeldzug an Ihnen zu üben.

Der Satz: „Es ist ja allgemein bekannt, dass Du nicht gerne Kollegen aus der Patsche hilfst, im Stich lässt….“, könnte so ein Racheangriff von jemandem sein, der sich einst wünschte, dass Sie die Vertretung seines Nachtdienstes übernehmen würden, was Sie aber abgelehnt hatten.

Nun geht es darum, dem Rachefeldzug zielführend zu begegnen; z.B. ihn als einen solchen aufzudecken und / oder in eine Sachdiskussion umzuwandeln.

Übrigens, schon Konfuzius wusste:

„Wer auf Rache sinnt, sollte den Tod nicht fürchten.“

Schlagfertigkeitstechniken

Nun wird es konkret. Auf den nächsten Seiten stelle ich Ihnen einige Techniken vor, mit denen Sie auf Verbalattacken reagieren können.

Ich stelle Ihnen jeweils das Prinzip, die Wirkung des Gegenschlags sowie die Chancen und die Risiken vor.

Unerwartete Zustimmung

Bei der unerwarteten Zustimmung nehmen Sie die Wichtigkeit aus der Attacke des Angreifers. Sie machen aus dem beabsichtigten Elefanten eine Mücke.

Wirkung

Die Attacke des Angreifers verpufft. Aus der beabsichtigten Größe des Angriffs wird eine relativ kleine Sache.

Chance

Sie selbst steigen in der Wirkung der übrigen Teilnehmer, da diesen nun klar wird, dass es sich um eine Verbalattacke handelt, auf die Sie nicht eingestiegen sind. Das zeugt von Größe.

Der Angreifer hat gelernt, dass er Sie nicht auf dieses Spielfeld locken kann und gibt seine Strategie auf. Im besten Fall nimmt der gesamte Gespächsverlauf nun einen sehr sachlichen Charakter an.

Risiko

Der Angreifer fühlt sich von Ihrer sachlichen Art provoziert. Er startet einen neuen Angriff. Die anderen Teilnehmer der Runde erwarten eine Schlacht zwischen Ihnen und den Angreifer und sind enttäuscht, wenn die Show ausfällt.

Beispiel

Angreifer:

„Das ist doch totaler Blödsinn, was Sie da vorhaben. Das klappt doch nie und nimmer“.

Sie:

„Da haben Sie Recht. Mir ist auch schon aufgefallen, dass es in Detail A noch einen hohen Änderungsbedarf gibt. Deshalb schlage ich vor, dass wir den Plan in den Punkten A und B wie folgt ändern….“

Überraschende Übertreibung

Bei der überraschenden Übertreibung greifen Sie die Attacke des Gegenübers einfach auf und bestätigen ihn in seiner Aussage. Sie übertreiben offensichtlich oder subtil und von maßlos bis leicht.

Wirkung

Ihr Gegenüber ist irritiert. Erwartet hat er entweder eine Gegenwehr, die er dann weidlich ausschlachten kann oder ein devotes Einknicken ihrerseits, an dessen Wirkung auf alle Anwesenden er sich ergötzen kann.

Stattdessen durchkreuzen Sie seinen Plan und nehmen ihm den Wind aus den Segeln.

Die beabsichtigte Wirkung der Attacke löst sich geradezu in ihrer Übertreibung auf oder es gelingt Ihnen, die Lacher auf Ihre Seite zu bekommen, anstatt sie dem Angreifer zu überlassen.

Risiko

Sie haben auf ein Machtspiel mit einem Machtspiel reagiert. Der Attackierende, sofern er ein erfahrener Machtspieler ist, wird auf seine nächste Chance warten, Sie erneut zu attackieren oder Ihnen den Affront bei einer anderen Gelegenheit heimzuzahlen.

Chance

Sie haben das Machtspiel für sich entschieden. Sie haben dem Gegenüber signalisiert, dass Sie auf der Hut sind und nicht einfach alles so mit sich machen lassen. Das verschafft Ihnen Respekt gegenüber dem Attackierenden und gegenüber den anderen Anwesenden. Sie haben die Lacher evt. auf Ihrer Seite.

Beispiel

Angreifer:

„Ich glaube, Sie haben das nicht richtig verstanden….“

Sie:

„Da haben Sie Recht. Genau genommen ist es so, dass ich selten etwas verstehe. Ich finde, Sie haben das gut beobachtet. Ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie das ansprechen.“

Angeifer:

„Sie haben da einen Fleck auf dem Jacket.“

Sie:

Das haben Sie hervorragend beobachtet. Sie sollten erste mal die auf der Hose sehen… da treten die auf dem Jacket gleich ganz in den Hintergrund.“

Schweigen

Das Schweigen wird von vielen Menschen als wirkungsvolle Schlagfertigkeitstechnik nicht unbedingt wahrgenommen. Tatsächlich ist es eine der stärksten und intelligentesten Schlagfertigkeiten, die es gibt.

Warum das so ist, erklärt sich so: Jemand, der Sie verbal attackiert, eröffnet in der Regel ein Schauspiel, dessen Regisseur er sein möchte.

Ein Schauspiel funktioniert für den Regisseur aber nur optimal, das heißt mit vorhersehbarem Ausgang, wenn alle Akteure ihre vom Regisseur geplante Rolle spielen.

Der Angreifer hat vor seinem Angriff sicher schon einige Reaktionen von Ihnen eingeplant, in der Regel aber nicht das Schweigen.

Wenn Sie nun seine Attacke einfach „ignorieren“, „aussitzen“, dann machen Sie ihm einen dicken Strich durch sein Kalkül.

Keinesfalls wird er die geplante Show der Lacher im Publikum auf seiner Bühne für sich verbuchen können. Wahrscheinlicher ist es, dass Sie durch Ihre Reaktion des Schweigens eine Irritation erzeugen, die die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf Sie selbst lenkt. Sie haben das Spiel in der Hand.

Nun bestimmen Sie, wie es weiter geht.

Wirkung

Das Schweigen ist der Gegenentwurf zur vom Attackierenden erwartete Reaktion und bringt ihn mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in Bedrängnis, zumindest löst er es aber eine Irritation aus. Sie haben das geplante Spiel unterbrochen und haben die Regie übernommen.

Risiko

Das Schweigen auf eine Verbalattacke ist eine intelligente Kriegserklärung. Sie demonstrieren, dass Sie es nicht nötig haben, sich auf ein solch billiges Spiel herab- und einzulassen.

Sie verweisen – ohne etwas zu tun – den Angreifer auf die Bank der Brüllaffen.

Wie so oft, wenn man Angreifern das Spiel vermasselt, wird auch dieser Attackierende auf eine Gelegenheit warten, Ihnen in die Suppe zu spucken.

Chance

Die andere Mitspieler im Raum, die Zuschauer, denen der Angreifer die Rolle der ihm Applaudierenden zugedacht hatte, spüren Ihre Souveränität und zollen Ihnen Respekt.

Die Gruppe der Zuschauer erhöht Sie über den Angreifer.

Beispiel

Angreifer:

„Das weiß doch jeder, dass man das so nicht machen kann, Müller ! „

Sie:

„…..“

Angreifer:

„Wer wie Sie glaubt, dass man mit Projektmanagementsoftware Projekte managen kann, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.“

Sie:

„….“

Das-ist-die-völlig-falsche-Frage-Konter

Bei dieser Konter bestimmen Sie einfach das Thema, über das gesprochen wird neu.

Sie behaupten einfach, dass das, was der Attackierende da in den Raum stellt überhaupt nicht die Relevanz besitzt, um jetzt darüber zu reden. Sie machen stattdessen ein neues Thema auf, mit dem sich die Anwesenden nun beschäftigen sollen.

Wirkung

Mit dieser Schlagfertigkeitstechnik entziehen Sie dem vom Attackierenden ins Spiel gebrachte Thema dessen Wichtigeit.

Dadurch, dass die Aufmerksamkeit vom Angreifer auf Sie gelenkt wurde und Sie nun im Rampenlicht stehen, erhält das, was Sie jetzt sagen, mehr Gewicht. Die Scheinwerfer sind voll auf Sie gerichtet, nun kommt Ihr Schlag.

Sie stellen geradewegs die Kompetenz des Gegenübers, zu entscheiden, was wichtig ist, infrage.

Risiko

Es ist ein Machtspiel par excellence, welches Sie da anzetteln.

Wenn Sie damit durchkommen und womöglich noch die Zustimmung des Publikums bekommen, kann der Angreifer für den Moment einpacken…. er wird wieder zuschlagen wollen.

Chance

Vielleicht stimmt es ja, was Sie sagen. Wenn wir mal unterstellen, dass Ihre Aussage: „Darum geht es doch gar nicht, sondern tatsächlich geht es um XY...“ sachlich richtig ist, dankt man Ihnen vielleicht dafür, dass Sie den Mut hatten, das Thema so anzusprechen.

Wenn der Attackierende sehr selbstreflektiert ist, nimmt er Ihnen den Gegenschlag nicht krumm und respektiert, dass Sie die neue und hilfreiche Sicht auf die Dinge gebracht haben.

Beispiel

Angreifer:

„Lassen Sie uns doch heute mal darüber sprechen, wie es kam, dass so viele Fehler in Ihrem Projektbericht waren, Hr. Maier….“

Sie:

„Ich glaube nicht, dass es um die banalen Fehler in der Excel-Tabelle geht. Das tatsächliche Problem ist doch, wie wir es schaffen, dass wir mehr Unterstützung der Auftraggeber in diesem Projekt erhalten. Lassen Sie uns uns damit beschäftigen !“

Angreifer:

„Immer lässt Du Deine Socken hier herumliegen. Macht Dir das eigentlich Spaß, mich so zu beschäftigen ?“

Sie:

„Es geht nicht wirklich um die Socken, die hier herumliegen. Lass uns stattdessen lieber mal darüber sprechen, was Du tun kannst, damit Dich so ein paar einfache Söckchen nicht so stören!“.

Schlusswort

Ich freue mich, wenn Sie anhand dieser Beispiele erfahren können, dass Sie Verbalattacken nicht hilflos ausgeliefert sind.

Künftig brauchen Sie nie wieder wie ein Kaninchen vor der Schlange zu erstarren, wenn Ihnen eine Verbalattacke ins Gesicht schlägt.

Ab sofort haben Sie die Möglichkeit, in der Angriffsituation die Führung wieder zu übernehmen und angemessen auf einen Verbalangriff zu reagieren.

In diesem Beitrag haben Sie einen kleinen Ausschnitt an Schlagfertigkeitstechniken kennen gelernt. In meinen Seminaren und Workshops können Sie weitere dieser hilfreichen Methoden lernen und vertiefen. A

Ich schlage Ihnen vor, die Lösungsorientierung vor der Lust am Spiel rangieren zu lassen. Bei jedem Angriff, der Sie trifft, haben Sie die Chance zu entscheiden, ob Sie Teil der Lösung oder Teil des Problems sein möchten, also die drohende Eskalation durch Ihren Einsatz verstärken oder abschwächen wollen.

Nur, weil ein anderer sich „blöd“ verhält, müssen Sie es ja nicht auch tun.

Die Schlagfertigkeitstechniken sind ein Werkzeug, welches Sie einsetzen können. Wie bei einem Hammer gilt: Sie können damit ein Haus bauen oder jemanden verletzen…

Wofür entscheiden Sie sich ?

Herzlichen Gruß

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